Zukunftshoffnung als Hologramm
8. Dezember 2014
Im Videoclip zur Single «Hope For The Future» tritt Paul McCartney als Hologramm in der Kulisse des Games «Destiny» auf. Hier arbeitete er am Soundtrack mit, um neue Wege der Musikverbreitung auszuprobieren.
Bewertung: * * * * *


Die Öffentlichkeit erfuhr 2012 durch einen Tweet McCartneys, dass er mit Marty O'Donnell und Mike Salvatori, den beiden Hauskomponisten des Gamestudios Bungie, arbeitete: «I’m really excited to be working on writing music with @bungie, the studio that made ‹Halo›». Die ungewöhnliche Zusammenarbeit begann bereits 2010, als O'Donnell McCartney anfragte, ob er einen symphonischen Soundtrack für das Videogame «Destiny» komponieren wolle. Damals unterstützte Paul die Macher des «Beatles Rock Band» Games.

analog trifft digital
Während seiner ganzen Karriere war McCartney offen für neue Wege und Plattformen, um sein Publikum zu erreichen. «Ich habe meine Kinder und Enkel gesehen, wie sie sich in ein Game vertiefen können. Ich glaube nicht, dass sie da die Zeit aufbringen, um Musik zu hören. Ihre Agenda ist mit all dem anderen Kram vollgestopft. So gefiel mir der Gedanke, mich in ihre Agenda einzuschleichen», erzählte Paul dem New Musical Express. Das erste Treffen zwischen O'Donnell und McCartney fand in den Londoner Abbey Road Studios statt. «Ich brachte die Idee mit der Musik der Sphären ein, eine Suite mit acht Stücken, die schlussendlich 50 Minuten dauerte», erzählte Marty O'Donnell 2013 dem Edge Magazin.

«Bei meinem ersten Treffen mit Paul erklärte ich ihm die coolen Wege, wie man interaktive Musik schreibt», so O'Donnell weiter. Er verglich die Art und Weise des Komponierens wie es McCartney 1966 bei den Aufnahmen zu «Tomorrow Never Knows» getan hatte. Damals verband er verschiedene Aufnahmegeräte über zwei Studios miteinander. «Er (Paul) sagte mir ‹ich hole die Maschine aus dem Wandschrank und werde dir etwas Material senden.›» McCartney hielt Wort. «Einiges von seinem Material in unserem Spiel kommt von derselben Maschine, die er bei ‹Revolver› benutzt hat, um Loops aufzunehmen. Das ist einfach so cool,» schwärmt O'Donnell.


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Paul, Mary O'Donnel und Mike Salvatori 2013 in den Abbey Road Studios.



O'Donnell erklärte Paul aber auch, dass die Vorgehensweise nicht anders wäre, als bei Filmmusik. Dort muss die Musik zu den Szenen passen, bei einem Game muss die Musik mit der Interaktion des Spielers ändern. Im Interview mit Lily Cole auf impossible.com erzählt Paul: «So ging ich ins Studio und dachte über ein paar Themen nach, einfach ein paar Noten, die auch episch klingen können, aber auch authentisch. Ich wusste, wohin ich wollte. So nahm ich sie ganz einfach auf.» Er sandte die Aufahmen an O'Donnell, der sie verarbeitete und arrangierte. «So wurde es zu einer faszinierenden Art von Ping Pong. Ich sandte ihm eine Idee – meine waren sehr simpel– und dann hat er sie verkompliziert (lacht), aber auf eine gute Art und Weise.»


die Aufnahmen
Die Aufnahmen für den «Destiny» Soundtrack wurden in den Londoner Abbey Road Studios, in New York und Los Angeles eingespielt. In London spielte ein 106-köpfiges Orchester. Bei «Hope For The Future» spielten gar 120 Personen, was den satten Hintergrundsound, bei der Singleversion und dem Trashmix erklärt.

Der Soundtrack zu «Destiny» wurde am 26. September 2014, zwei Wochen nach dem Game veröffentlicht. Allerdings ohne «Hope For The Future», Paul hielt sich eine Singleauskoppelung im Lauf des Jahres vor. Für seine Mitwirkung am Soundtrack verlangte er kein Honorar. Die Single erschien am 8. Dezember mit vier, teilweise sehr gelungengen Remixes. Am meisten überzeugt der «Beatsession Mix», bei welchem auch der Gesang bearbeitet wurde und Paul zu einem tanzbaren Rhytmus die Worte Hope und Future wiederholt. Diese Version atmet den spontanen Geist des Fireman-Albums «Electric Arguments» von 2008, da diese Version von jeglicher Art Bombast befreit wurde.

die Integrität des Songs vor Augen
«Wenn du etwas massgeschneidertes wie ‹Hope For The Future› schreibst, verhält es sich ähnlich, wie wenn du jemand porträtierst. Du musst dir vorstellen, was die Person braucht, was sie wollen wird und was du ihr geben möchtest. Diese drei Dinger musst du so mischen, dass sie für dich noch glaubwürdig sind», erzählt Paul auf seiner Webseite über das Schreiben dieses Songs. In «Destiny» sind die Spieler die Wächter der letzten Stadt auf der Erde, die unglaubliche Kräfte erzeugen können. Die Wächter erforschen die alten Ruinen unseres Sonnensystems, von den roten Dünen auf dem Mars zu den Dschungeln auf der Venus. Dabei bekämpfen sie die Feinde der Erde. Deshalb ging Paul von der Spielfigur des Wächters der letzten Erdenstadt aus und kam auf die Idee mit der Zukunftshoffnung.


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Paul McCartney als Hologramm im Set von «Destiny». Screenshot aus dem Videoclip.


«Danach dachte ich, dass dies nicht nur ein Game-Song sein soll, sondern dass er auch ausserhalb des Spiels gespielt werden wird und auch dort für sich selbst sprechen soll. Die wenigsten Leute werden von Ausserirdischen ausgehen, sondern fragen sie sich, wovon ich spreche. So muss der seine eigene Meinung und Integrität zum Ausdruck bringen». In einem anderen Interview erzählt Paul:
«Als Gamer musst du im Grunde genommen die Erde vor Aliens retten. Ich verwendete dies metaphorisch und schrieb einen Text, den man in der heutigen Zeit verwenden kann.»

Der Song erfüllt die optimistischen Erwartungen, die der Titel weckt: «We will build bridges / Up to the sky / Heavenly lights surrounding / You and I / From out of the darkness / Our future will come / If we leave the past behind / We'll fly beyond the sun». Die Möglichkeit des Scheiterns behält die Musik bei. Eine McCartney-typische Melancholie ist in der Musik zu hören, der Song ist in E-Dur. Auch leuchten die Bläser weniger als bei «Penny Lane» 1967. In der dritten Strophe drückt Paul die Zweifel auch wörtlich aus, die mit jeder Hoffnung einhergehen: «Hope For The Future / Is it coming soon enough? / How much can we achieve?» Mit diesem Grundgedanken, ob die Zukunft noch rechtzeitig kommt und wie viel man erreichen wird, glaubt Paul, einen glaubwürdigen Song geschrieben zu haben. Mark Spike Stent (Madonna, U2) und Giles Martin, die auch auf dem letztjährigen Album «NEW» mitgewirkt haben, produzierten die Single.


das Video
Am Veröffentlichungstag der Single wurde auch der Videoclip lanciert. Darin erscheint Paul in den Landschaften des Spiels. Allerdings ebenso virtuell. Er wird ihnen von einem Ghost AI Assistant als Hologramm in die verschiedenen Ebenen projiziert. Zu Pauls Füssen sitzen einige Wächter des Spiels. Paul besucht während des Clips verschiedene Landschaften wie den Turm, den Mond oder Venus und Mars. Das Video hatte seine Premiere auf wired.com und ist auf Paul McCartney You Tube Channel zu sehen.

Rezeption und Statistik
Trotz aller Kritik konnte sich «Hope For The Future» in den USA in den Billboard Charts auf Rang 44 platzieren. «Destiny» spielte in der ersten Woche nach Veröffentlichung 325 Millionen Dollar ein, es war die erfolgreichste Gamelancierung des Jahres und erntete vorwiegend gute Kritiken. Bei den Game Awards erhielt es Auszeichnungen als bestes Onlinespiel und bester Soundtrack.

Das Musikmagazin Spin bezeichnete «Hope For The Future» als cheesy, also als käsig oder kitschig. Weitaus freundlicher war USA Today, das die Single zum Song der Woche wählte.
Der Kansas City Star nannte den Song eine ausgedehnte, inspirierende Hymne, mit einem cheesy Text. Andere Kritiker bemängelten die Plattitüden wie «Hope For The Future / it will belong to us / if we believe» oder «Hope shines brightest in the dark.» Fragt sich nur, wie man das ohne Plattitüden ausdrücken kann. Zumindest das Rolling Stone hat es erkannt und bezeichnete die Lyrics als weitsichtig.

Das Rolling Stone bezeichnete den Videoclip als atemberaubend. Das Video fiel in der Gamer-Geminde durch: Auf Games.ch schrieb Roger Sieber, ein McCartneyfan, dass der Song nicht schlecht, das Video aber farb- und seelenlos sei. Gamezone.com glaubte beim Video an einen schlechten Scherz. Die Reaktion ist insofern verständlich, da die Hologramm-Machart an die Hilfsbotschaft von Prinzessin Leya, die R2D2 anno 1977 in «Star Wars» als Hologramm projizierte. Hier wäre optisch sicher mehr drin gelegen. Dennoch knüpft der Clip an denjenigen von «Appreciate» an, den McCartney im Mai dieses Jahres veröffentlicht hat, worin er mit dem Roboter Newman interagiert und zu seinen besten Clips gehört.

mccartney hope for the future video 2014
Paul McCartney während den Dreharbeiten zum Videoclip von «Hope For The Future». Gesehen am 30. September 2014 von seinem Hausfotografen MJ Kim.
Foto: mplcommunications.com




mccartney hope for the future 2014

Tracklist iTunes Single
Hope For The Future (Main)
Hope For The Future (Thrash)
Beatsession Mix
Jaded Mix
Mirwais Mix

Tracklist Vinyl-Maxi
VÖ. 13. Januar 2015

Main
Trash
Mirwais

Beatsession
Jades Mix



Soundtrack



Tracklist
The Traveler
The Fallen
Excerps From Hope

Excerps From The Ecstasy
The Warmind

The Tower
The Last Array
The Collapse
The Journey Home
First Challenge
Prey
Tranquility
The Great Unknown

Exceprt 1 From The Rose
Excerpt From The Tribulation

Relic Of Hope
Departure
Lost Horizon
Reborn
Sepics Prime
Travellers Promise
Deconstruction
Exceprt For The Ruin
Untold Legends
Cabal Stomp
Dust Giants
Ishtar Shink
The World's Grave
Exclusion Zone
The Stranger
Temple Of Crota
Eye Of The Gate Lord
The Hive
The Collective

End Of The Line
The Vex
Siege Dancers
Chronology
Passage

Excerpt 2 From The Rose
Excerpt From The Union
All Ends Are Beginnins


bei den gelben Titeln wirke Paul McCartney als Co-Komponist mit.


 

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