Höngger Wehr oder die Aufhebung der Naturgesetze
31. August 2010


Bei den 1999er-Überschwemmungen überflutete die Limmat die Fahrweid, weil die Aare ob der schieren Menge Schmelz- und Regenwassers selber ihre Anrainer überflutend den Zusammenfluss mit der Rücksendung der Wassermassen aufwärts in Richtung Zürichsee verhinderte, weshalb die Limmat beim Kloster Fahr endlich den Platz sich zu übergeben gefunden hatte. Christian erinnert sich noch heute lachend daran, dass die Feuerwehr Mineralwasser verteilt hatte, und er sich damit während einer Woche gewaschen und seine Mutter Kartoffeln gewaschen und gekocht hatte. Der Wassermassen wegen ist heuer das Höngger Wehr fast schon zu einer netten Stromschnelle mit zwei Metern Höhenunterschied geworden – dafür verstehe ich nun Christians Erzählung vom aufwärts fliessenden Wasser.

Normalerweise überbrückt der grösste Teil der Limmat als Wasserfall die gut fünf Meter Höhenunterschied des Wehrs über eine versenkbare Betonmauer, ein kläglicher Rest fliesst den Waserkanal entlag ins Kraftwerk Höngg. Bei der aktuellen Störmung hat das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich die Staumauer des Wehrs nicht abgesenkt, so dass das Wasser in einem ungebündelten Schwall darüber hinaus in Richtung Werdinsel und Werdhölzli schiesst. An die Höhenstufe des Wehrs anschliessend bildet sich über die ganze Flussbreite ein walzenförmiger Strudel, der das Wasser wie in in einer Waschtrommel heftig durcheinander wirbelt. Bemerkenswert das Bild von der Seite betrachtet: als hätte jemand mit einem grossen Messer ein v-förmiges Stück aus dem Nass geschnitten, klafft eine Lücke im graugrünen Strom. Linkerhand der wütende Wirbel, der einer eitrigen weissen Wunde gleich im gewellten bewegten Limmatwasser klaft, das nach dem Katarakt mit einem zwei Meter tieferen Wasserspiegel, aber keineswegs weniger reissend in Richtung Amsterdam weiter tost. – Die Gewalt im Strudel muss unvorstellbar sein, um nach dem natürlichen Trommelwirbel weiterfliessen zu können, hat der einzelne Tropfen einen Höhenunterschied von zwei Metern aufwärts einer Wassermauer entlang zu überwinden. –

Nachtrag vom 4. September
Erzählte Christian von der aufwärts fliessenden Limmat beim Höngger Wehr. «Hab ich’s mir doch gedacht, als ich vorhin in Dietikon über die Limmat ging, dass die Zürcher wieder einmal den See entwässern würden», antwortet er lachend, ignorierend, dass die Wassermassen von der Sihl aus der nahen Zentralschweiz transportiert werden.

hoengger wehr

Das Höngger Wehr vor Jahresfrist.



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Sommernacht – 12. Juli
Nachruf auf Abruf – 28. Juni
Polizeieinsatz an der Bahnhofstrasse – 23. Juni

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Genf – 14. September
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