im Vierer
11. Januar 2010


Habe eben noch am Limmatplatz mein Tram, den 13er, abfahren sehen. Nach zwei Minuten folgt der 4er. In der Kälte noch zehn Minuten warten und dem munteren Schneetreiben zuschauen oder wenigstens bis zum Escher-Wyss-Platz fahren und dann warten, lautet die Fragestellung; Tendenz warten, die Antwort, denn im Tram befinden sich Kontrolleure. Nach einer scheinbaren Ewigkeit steigen sie doch noch aus. Schnell die Meinung geändert und eingestiegen. Nächste Station Quellenstrasse. Vier andere Kontrolleure steigen ins Tram ein. Kaum ist das Gefährt angefahren, folgt die obligate Ansage: «Billetkontrolle, alle Fahrausweise bitte!». Dann der Protest eines Fahrgastes: «Das kann nicht sein. Gerade vor zwei Stationen sind wir kontrolliert worden!»
Stille, der Kontrolleur neben mir geht weg und würdigt meine Stempelkarte keines Blickes. Zu seinem Kollegen vor sich macht er eine Pianopiano-Handbewegung. Unterdessen haben wir den Dammweg erreicht. Die beiden Kontrolleure setzen sich. Doch schon einen Moment später ist der Escher-Wyss-Platz erreicht. Sie steigen aus; ich begleite sie, da ich hier auf den 13er wechseln möchte. – Sie wohl auch. Aus dem Hinterteil des Trams steigen zwei weitere Kontrolleure aus. Einer grinst über beide Ohren und versorgt sein Rechengerät, womit Busszettel ausgedruckt werden können. Das kann nur etwas bedeuten…

Wartend, sitze auf der kalten Bank und friere mir den Hintern ab. Der Schnee fällt hemmungslos. Die Kontrolleure plaudern miteinander. Ob sie mir im 13er noch glauben, dass ich mit ihnen im kontrollierten 4er gefahren bin? Kaum, neues Tram, neue Kontrolle. Der Schnee fällt, ein 13er und 4er haben in der Gegenrichtung ihre Passagiere aufgegabelt. Ich beobachte die vier sich langweilenden Kontrolleure, drei stehen zusammen, einer schaut sich das Sporttraining in einer erleuchteten Turnhalle des KV-Schulhaus an, danach lasse ich mich vom munteren Schneetreiben einlullen oder blicke die Brünette Endvierzigerin an, die mit mir den 4er verlassen hat und nun neben mir auf der kalten Bank sitzt.

Ein Funkgerät piepst, unverständliche Stimmen dringen an mein Ohr. «In dem Kurs waren sie auch schon», rapportiert derjenige, dessen Funkgerät eben die Winternacht beschallt hat. Nach kurzer Beratschlagung zotteln die vier Kontrolleure in Richtung Tramdepot auf der anderen Seite des Escher-Wyss-Platzes los. Unterdessen fährt der 13er ein. Und die Aussteiger-Kontrolleure vom Limmatplatz verlassen erneut das Tram.



limmatplatz

Der nächtliche Limmatplatz, Ausgangspunkt der Geschichte


frühere Einträge
:
Masoala Halle – 8. Januar
Laubbläser im Einsatz – 5. Januar
Oensingen – 29. Dezember 2009

folgende Einträge:
Sprachbetrachtung: Ich, der Nihilist – 11. Januar
Vorverkauf für das U2-Konzert – 28. Januar
eisige Strassen – 2. Februar



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