neues Buch: Abgestempelt & aufgefangen

16. Oktober 2017
«Abgestempelt & aufgefangen» ist die Geschichte der Stiftung Hirslanden und ihrer Vorgängerinstitutionen. Yves Baer lässt darin über 140 Jahre ge- und erlebte Frauengeschichte lebendig werden.


Der im Staatsarchiv Zürich erhaltene Eintrittsfragebogen ins Magdalenenheim von 1924 fragt nach den Eintrittsgründen: «Welche Charakterfehler treten jetzt besonders hervor? (Trägheit? Arbeitsscheu? Launenhaftigkeit? Boshaftigkeit? Diebereien? Trotz, Eigensinn? Leichtsinn? Sinnlichkeit?) Ist sie schon gerichtlich vorbestraft?» Das Buch «Abgestempelt und Aufgefangen» ist die Geschichte der Stiftung Hirslanden und ihrer Vorgängerinstitutionen, dem Asyl für gefallene und reumütige Mädchen, Magdalenenheim, Töchterheim Hirslanden und der Schule und Heim Hirslanden. Entstanden ist ein lebendiges Bild von über 140 Jahren Arbeit mit benachteiligten jungen Frauen.

Beitrag zur Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen
Wie Stiftungspräsident Sergio Devecchi in seinem Grusswort schreibt, möchte die der Stiftungsrat Hirslanden mit dieser Publikation einen Beitrag zur Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und administrativen Versorgungen leisten. Aus diesem Anlass hat die Stiftung Hirslanden 2015 einen öffentlichen Aufruf gemacht, damit sich ehemalige Bewohnerinnen und Mitarbeitende bei ihr melden. Die Resonanz war jedoch gering. In Bezug auf die Stiftung Hirslanden und ihre Vorgängerinstitutionen kann gesagt werden, dass das Heimleben nicht immer einfach war, dass sich aber alles im jeweils legalen Rahmen zugetragen hat. So hatte das Heim eine christliche Grundlage, weshalb es keine Prügelstrafe gab.

Im Buch kommen drei Sichtweisen zu Zug: jene der Bewohnerinnen, von ihren Betreuerinnen und der Heimleitung sowie die öffentliche Aussensicht auf die Heime. Dank der sorgfältigen Berichterstattung in den früheren Jahren war es dem Autor, Yves Baer, möglich, vom Gründungsprozess an bis ins Jahr 2017 hinein die verschiedenen Akteure zu Wort kommen lassen und so einen lebendigen Einblick in den Heimalltag zu liefern.

yves baer abgestempelt und aufgefangen 2017 hausordnung asyl für gefallene und reumütige mädchen 1883
Doppelseite aus dem Buch mit der reproduzierten Hausordnung von 1883. Darin heisst es u.a.: Jedes Mädchen soll der Haumutter oder ihrer Gehilfin gehorsam leisten (…) Jedes Mädchen muss ihren Platz beim Essen einnehmen, ob sie will oder nicht.


gleicher Antrieb, wandelndes Frauenbild
Der Antrieb, den jungen Frauen zu helfen war früher oft religiös-moralischer Natur. So findet sich in den Akten die Geschichte einer jungen Frau von 1888, an deren Lebenswandel der Dorfpfarrer Anstoss nah. Er verweigerte ihr die Konfirmation und wies sie zur Besserung ins Asyl für gefallene und reumütige Mädchen ein. In dieser Form wird dies heute nicht mehr so praktiziert. Über all die Jahre jedoch waren die Probleme und selbst die Problemlösungen im Heimalltag mehr oder weniger die gleichen. « Mit den sich wandelnden Begriffen hat sich auch das Bild der Bewohnerinnen und deren Wertschätzung geändert. Interessant zu verfolgen ist die Veränderung der Bezeichnungen der Heimbewohnerinnen, von den gefallenen und reumütigen Mädchen, über Schwachbegabte, die kaum zu Dienstboten taugen bis hin zu jungen Frauen mit individuellen Bedürfnissen und Perspektiven. Letzteres kam erst in den 1970er-Jahren bis heute», resümiert Autor Yves Baer.



Die einzelnen Institution im Laufe der Zeit auf einen Blick

1872-1910 Freies und unentgeltliches Asyl für gefallene und reumütige Mädchen
1910-1970 Magdalenenheim Zürich
1970-1984 Töchterheim Hirslanden
1984-1992 Heim und Schule Hirslanden
seit 1994 Sozialpädagogisches Zentrum für junge Frauen Stiftung Hirslanden


 

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yves baer abgestempelt und aufgefangen

Abgestempelt & aufgefangen
Von gefallenen Mädchen zu jungen Frauen mit Perspektiven

Vissivo Verlag, Zürich, 2017
280 Seiten, Hardcover, illustriert
ISBN 978-3-03846-027-5



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