|
Er gleitet in einem schwarzen Ford Thunderbird Cabrio den Highway 1 der kalifornischen Pazifikküste entlang hinab, dann führt das Video von der Kindheit bis heute durch Ringo Starrs Leben. Es hat etwas Definitives, abschliessendes, wenn er am Ende in den Sonnenuntergang fährt.

Die guten Alben von Ringo Starr lassen sich an einer Hand abzählen, für die erfolgreichen reicht die Hälfte von deren Finger. 2023 fragte Starr T-Bone Burnett als Produzenten an, er wollte seiner alten Liebe, der Countrymusik, frönen. Aus einer EP entstand das Country- und Americana-Album «Look Up», das letztes Jahr von Japan über Schottland bis in die USA ein kleiner Charterfolg wurde, bei uns auf Platz 7, und in den UK- und US-Spartencharts brillierte. Für Viele gilt «Look Up» als das beste Album seit «Ringo» von 1973, bei dem die drei anderen Beatles massgebend mitgewirkt hatten.

T-Bone Burnett hat wie einst Lennon, McCartney und Harrison erkannt, was Ringo Starr mit seiner schönen, aber wenig umfangreichen Bassstimme singen kann. Gut möglich, dass man künftig Burnetts Einfluss auf Ringo mit jenem von Rick Rubin auf den greisen Johnny Cash gleichsetzen wird. «Long Long Road» ist die Essenz der Zusammenarbeit, der Kern der Band ist der gleiche. Und wenn Ringo in «Baby Don’t Go» passend «I don’t know where I am but I’m glad to be here» singt, stimmt man ihm zu.
Man verzeiht ihm das Remake von «Choose Love», dem Titelsong seines 2005er-Albums, der ein uptempo Rocksong war. Burnett reduzierte das Tempo, verpasste ihm ein psychedelisches Arrangement und liess den Song über sich selbst hinauswachsen – und man braucht nun beide Hände, um die Anzahl der guten Alben anzuzeigen.

|

Tracklist
Returning Without Tears
Baby Don't Go
I Don't See Me In Your Eyes No More
Its Been Too Long
Why
You And I (Wave Of Love)
My Baby Don't Want Nothing
Choose Love
She's Gone
Long Long Road

Erschien am 31. Januar in der Augabe 1/2020.
|