drei Jahre für die Ewigkeit auf zwei LPs
2. April 1973
Die beiden Schwesteralben «1962–1966» bzw. «1967–1970» waren 1973 eine Reaktion der Plattenfirma auf einen Bootleg. Heute gehören das Rote und Blaue Album zum Band-Katalog und sind ideale Einstiegsalben in das Werk der Beatles.
Bewertung: * * * * * 1/2


Links zu den einzelnen Kapiteln:
Reaktion auf einen Bootleg
 repräsentative Zusammenstellung
das Cover
 die Versionen
Rezeption und Statistik



Zwischen 1967 und 1970 haben die Beatles ihre zeitlosen Werke geschaffen. Man kann die Zeitspanne auch drei Jahre für die Ewigkeit nennen. Nach der psychodelischen Phase von 1967 orientierte sich die Band 1968 und 1969 wieder an ihren musikalischen Wurzeln. «Strawberry Fields For Ever», «All You Need Is Love», «Hey Jude», «Here Comes The Sun» oder «Let It Be» sind die Songs, die die Beatles von einer erfolgreichen Band zu einer zeitlosen Band haben werden lassen, deren Songs von klassischen Orchestern über Jazzbands bis zu Volksmusikkapellen gecovert werden.

Reaktion auf einen Bootleg
1972 veröffentlichte das US-Label Audiotape Inc. das Doppel-Boxset «Alpha Omega». Das Album umfasste sechzig Songs der Beatles, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob es sich um Originalaufnahmen, Coverversionen oder gar wie mit «Maybe I’m Amazed», «Imagine» oder «Bangladesh» um Soloaufnahmen handelte. «Alpha Omega» war deswegen so erfolgreich, weil es mit Radio- und TV-Spots beworben worden war. In den USA haben Tonaufnahmen ursprünglich nicht einem Bundesgesetz unterstanden, sondern waren föderal, durch verschiedene gliedstaatliche Einzelgesetze geschützt. Per 15. Februar 1972 trat das Sound Recording Amendement in Kraft und versuchte halbherzig, die Musikpiraterie zu unterbinden. Anstatt sämtliche Bootlegs zu verbieten, unterstanden Aufnahmen, die bereits veröffentlicht waren, weiterhin den regionalen Gesetzen. So konnten Raubpressungen wie «Alpha Omega» teilweise weiterhin legal über den Versandhandel bezogen werden.

Am 16. Februar 1973 verklagte Beatles-Manager Allen B. Klein, der seit 1969 auch ohne McCartneys Einverständnis die Band in geschäftlichen Belangen vertrat, im Namen von George Harrison, Capitol Records und Apple Records sowohl Audiotape Inc. als auch Medienunternehmen wie ABC, die Werbung für «Alpha Omega» publiziert hatten, auf 15 Millionen Dollar Schadenersatz. Die Medienhäuser wurden von der Klage ausgenommen, nachdem sie sich aussergerichtlich verpflichtet hatten, keine Werbung mehr für «Alpha Omega» zu publizieren. Als zwei Monate später «1962-1966» und «1967-1970» veröffentlicht wurde, schlug Capitol Records auf der Marketingebene zurück und warb mit dem Slogan «die einzige von den Beatles authorisierte Zusammenstellung».

repräsentative Zusammenstellung
«1967-1970», im Volksmund das Blaue Album genannt, spannt den Bogen von der ersten Single «Strawberry Fields Forever» 1967 bis zum Album «Let It Be» und der daraus ausgekoppelten Single «The Long And Winding Road», die beide nach der Trennung der Beatles 1970 erschienen sind. Mag man Allen B. Klein wegen seinem Geschäftsgebahren, hart gegenüber Plattenfirmen aufzutreten, seine Musiker aber auszunehmen, verurteilen, so hat er die fast unlösbare Aufgabe, das Spätwerk der Beatles auf einem repräsentativen Doppelalbum in fast 100 Minuten zusammenzustellen, gut gelöst. Was die Band auch seit 2010 auf ihrer Webseite anerkennt.

the beatles hello goodbye paul mccartney video
Paul McCartney, George Harrison und John Lennon posieren für den Videoclip von «Hello Goodbye» nochmals in den Sgt. Pepper-Uniformen.


Da die Beatles immer auch eine Single Band gewesen sind, und viele ihrer grössten Hits wie «Hey Jude» oder «All You Need Is Love» 1972 auf keinem Album erhältlich gewesen sind, überzeugt die Songauswahl auf «1967–1970». Insgesamt 11 der 28 verwendeten Songs waren bis zur Veröffentlichung des Blauen Albums nur auf Single erhältlich, deren Produktion jedoch in Regel nach dem Verschwinden aus den Charts eingestellt worden war.

Man kann bemängeln, dass das «Weisse Album» als Doppelalbum im Vergleich zu «Sgt. Pepper» mit nur 3 Songs zu kurz kommt, denn «Sgt. Pepper» ist mit deren vier vertreten. Doch die Wahrnehmung in den 60er-Jahren war, dass «Sgt. Pepper» das bessere Album als sein Nachfolger war. Bedenkt man, dass Songs wie «When I'm Sixty Four» oder «Blackbird» gar nicht auf dem blauen Album enthalten sind, dafür aber «A Day In The Life», «The Fool On The Hill» oder «I Am The Walrus», gilt es Allen B. Klein Respekt für seine Auswahl und den Mut zur Lücke zu zollen. Wie unvollständig eine Konzentration nur auf die Singles gewesen wäre, belegt die 2000er-Kompilation «1», die nur Nummer 1 Singles aus England und den USA berücksichtigt hat und weit wichtigere Songs weglassen musste, als dies Klein seinerzeit getan hatte.


beatles 1973 1967 1970

the beatles 1967 1970 inner sleeve remaster 2010
Don McCullins Foto aus der Serie «A Mad Day Out», wurde für die Innenhülle verwedent. Oben in der Anwendung als Schallplatte von 1973, unten in der digital remasterten CD-Wiederveröffentlichung von 2010.


das Cover
Für das Coverfoto wurde eine Aufnahme von Angus McBean verwendet, der 1969 für das damals geplante «Get Back»-Album den Auftrag hatte, das Cover des ersten Beatles-Album «Please Please Me» nachzustellen. McBean war der Fotorgraf des Covers des Debutalbums der Beatles. Das Innencover wurde am 28. Juli 1968 während dem «Mad Day Out» der Beatles von Don McCullin geschossen. Tom Wilkes gestaltete die Plattenhülle. Auf den Plattenhüllen waren Fotos und die Songtexte abgedruckt.

Tom Murray, der am 28. Juli 1968 insgesamt 23 Fotos gemacht hat, war nicht offiziell engagiert. Er wird wohl Don McCullins assisiert haben. Murrays Fotos waren über 30 Jahre unveröffentlicht geblieben und gelten seither als ein paar der besten Fotos der Beatles. 2011 wurden einige von Murray signierte Drucke für 3000 bis 5000 Dollar versteigert. 2018 erschien ein Buch über die Bilder.

die Versionen
Zwischen dem Originalalbum von 1973 und der Erstveröffentlichung auf CD gibt es minime Veränderungen. So war auf Vinyl «Hey Jude» neun Sekunden kürzer als auf der Single und «A Day In The Life» hatte ursprünglich noch die Personengeräusche von der «Sgt. Pepper Reprise». Bei der CD wurde die volle Länge von «Hey Jude» verwendet und die Geräsuche rausgemischt. Im Franco-Spanien wurde 1973 «The Ballad Of John And Yoko» wegen der Aussage «Gibraltar bei Spanien» durch «One After 909» ersetzt. Zwanzig Jahre später wurde im demokratischen Spanien dieselbe Version des Albums wie im Rest der Welt veröffentlicht.

Bei seiner Veröffentlichung 1973 war das Blaue Album als Doppelalbum auf Vinyl und später auch als Doppel-Musikassette erhältlich. Die MCs wurden teilweise auch als u.a. in Italien, Spanien und später in der Schweiz hergestellte Einzelkassetten als «1967-1970 Vol. 1» bzw. «Vol. 2» verkauft. Die Kassettenseiten entsprachenden Albumseiten. 1993 erschien es erstmals auf CD und wurde 2010 digital remastered auch bei iTunes wiederveröffentlicht.

2009 remasterten Sean Magee, Sam Okell, Paul Hicks, Steve Rooke und Guy Massey das Album, 2010 wurde es wiederveröffentlicht. 2014 wurden das Album für den zunehmenden CD-Markt remasterd auf 180g Heavy Vinyl veröffentlicht.

the beatles paul mccartney get back sessions let it be 1969
Momentaufnahme aus den «Get Back»-Sessions im Januar 1969.

Für die remasterte Wiederveröffentlichung wurde das CD Booklet überarbeitet. Es enthält Fotos, die Songtexte und ein Essay von Bill Flanagan. Das Album war einzeln oder in einem Schuber mit seinem Schwesteralbum «1967-1970» erhältlich. Neben dem CD Format war das Album vom 16. November 2010 an auch im iTunes Store als Download erhältlich. Seit Weihnachten 2015 ist es auch in Streaming-Diensten erhältlich.

Rezeption und Statistik
Das Blaue Album, das parallel mit dem «1962–1966» veröffentlicht wurde, konnte sich in der Regel etwas höher in den Charts platzieren. Dies sowohl 1973 als auch bei den Wiederveröffentlichungen 1993 bzw. 2010. Bruce Eder von allmusic.com bringt es auf den Punkt, dass es die Essenz des Beatoes-Oevres ihrer letzten drei Jahre, nicht aber volle Bandbreite einfängt.

Chartpositionen 1973:
In England kam das Album nur auf Rang 2. Die Chartspitze eroberte es in Österreich, Frankreich, Spanien und in den amerikanischen Billboard Charts. Weitere zweite Plätze gab es in Holland, Japan, Norwegen und der BRD. In Kanada klassierte sich «1967–1970» auf dem 3. Rang, in Italien auf dem 6. und in Australien auf dem 11. In der Schweiz konnte sich das Album noch nicht platzieren.

Chartpositionen 1993
In England klassierte sich «1967–1970» auf dem vierten Rang. Die Spitze erreichte das Album in den amerikanischen Top Pop Catalog Album Charts. Das beste Resultat gab es in der Schweiz mit Platz 3, geteilt mit Österreich und Holland. Weitere Topten Platzierungen vermeldeten Neuseeland (4), Japan (5), Norwegen und Australien (je 8).

Chartpositionen 2010
In den USA platzierte sich das remasterte blaue Album erneut auf dem 1. Platz des Billboard Top Pop Catalogues. In Japan auf Rang 3, in England auf Rang 4. Top 20 Rangierungen vermeldeten Schweden (17) und Spanien (19). In der Schweiz erreichte es Rang 47, in Österreich Rang 65 und in Deutschland 71.

Das Boxset mit dem Roten und dem Blauen Album wurde separat in den Charts erfassst: Es erreichte in Portugal Platz 20, in Deutschland Rang 29, in Dänemark Rankg 31, Neuseeland Rang 35, in Norwegen und Wallonien (Begien) Rang 28, in Holland Rang 44 und in der Schweiz Platz 89.

Wie sein Schwesteralbum, ist das Blaue Album zum Einstiegsalbum in die Musik der Beatles geworden und verkauft sich dementsrechend. In den USA wurden bis Ende 1973 1,29 Mio Exemplare verkauft, bis Ende der 1970er-Jahre 5,8 Mio., Ende der 201er-Jahre waren 17 Mio. Exemplare. Nachfolgend ein paar der wichtigsten Auszeichnungen: In Kanada wurde das Album mit einer Diamant-Schalllatte ausgezeichnet, in den USA erhielt es 17x Platin, in Australien 5x Platin, in Japan, Österreich und Deutschland Doppelplatin, in Argentinien, Belgien, Schweden und der Schweiz Platin.


Link zu dem mit dem Album korrelierten Album:
The Beatles 1962-1966

TV Spots:
1973: US TV Spot 1962-1966, 1967-1970
 1993: CD Erstveröffenlichung 1962-1966, 1967-1970
2010: UK TV Spot Remaster 1962-1966, 1967-1970


tom murray the beatles 1968 mad day out mccartney
Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr haben am 28. Juli 1968 einen «Mad Day Out».



Tracklist:
MC / CD 1
Strawberry Fields Forever
Penny Lane
Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
With A Little Help From My Friends
Lucy In The Sky With Diamonds
A Day In The Life
All You Need Is Love

I Am The Walrus
Hello, Goodbye
The Fool On The Hill
Magical Mystery Tour
Lady Madonna
Hey Jude
Revolution

MC / CD 2
Back In The USSR
While My Guitar Gently Weeps
Ob-La-Di Ob-La-Da
Get Back
Don't Let Me Down
The Ballad Of John And Yoko
Old Brown Shoe

Here Comes The Sun
Something
Come Together
Octopus's Garden
Let It Be
Across The Universe
The Long And Winding Road

 



Die Rückseite der Schallplatte mit dem Foto von «1962–1966».


1980:
DDR-Ausgabe


Strawberry Fields Forever
Penny Lane
Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
With A Little Help From My Friends
Lucy In The Sky With Diamonds
Something
All You Need Is Love


I am The Walrus
Hello Goodbye
The Fool On The Hill
Hey Jude
Lady Madonna
Let It Be

 

Remaster 2010
CD Schuber Boxset.



Promotion 1993

Promoalbum:

Tracklist:
Hello, Goodbye
Ticket To Ride
Norwegian Wood (This Bird Has Flwon)
In My Life
Help!
The Fool On The Hill

Promosampler von Capitol Records (USA/Deutschland)
DPRO-79286


promo poster beatles 1962-1966 1967-1970

Promo-Poster für Plattenläden zur Erstveröffentlichung auf CD. Die beiden Coverfotos wurden für das grosse Foto vereint.

Links:
Paul McCartney
The Beatles

 

 

zurück zur Paul McCartney Werkschau
zurück zum Paul McCartney Dossier
die McCartney-Playlist
Musicus

VzfB-Home

 

chronologische Diskografie

« 1962–1966
» At The Hollywood Bowl


© 2015/2020 by VzfB | Alle Rechte vorbehalten.