unterbewertete Pastorale
7. Dezember 1971
Auf «Wild Life» wollte Paul McCartney die Liveatmosphäre der Songs rüberbringen. Das Debutalbum der Wings ist besser als sein Ruf.
Bewertung: * * * * *


Links zu den folgenden Themen:
 die Gründung der Wings
schnell und schmutzig eingespielt
Entspannung im Beatles-Lager
Wie sich Paul neu erfunden hat
die Archive Collection Wiederveröffentlichung
Rezeption und Statistik



Zurück zur Spontaneität lautete das Motto, die Aufnahmen von «Wild Life» dauerten vom 25. Juli bis zum 2. August 1971, also gerade Mal neun Tage. Die Basistracks waren während den ersten drei Tagen aufgenommen worden. Fertig eingespielt wurde das Album in den Londoner Abbey Road Studios. Während den Aufnahmen zu «RAM» in New York, Ende 1970 oder Anfang 1971, hatte Bob Dylan Paul McCartney im Studio besucht. Worüber sie gesprochen haben, ist nicht überliefert, doch Paul gibt Dylans Produktionsweise als Inspirationsquelle für «Wild Life» an, ein schnell im Studio eingespieltes Album ohne grosse Nachproduktionen zu veröffentlichen.

Es ist erneut ein Kontrast zu einem grossen Vorgängeralbum: Kollidierte 1970 «McCartney» mit seiner Einfachheit mit «Abbey Road», hatte sich raue «Wild Life» am eklektizistischen «RAM» zu messen. McCartney, der mit den späten Beatles die Popmusik in unerreichte Sphären geführt hat, kümmerte sich damit nicht um die Erwartungen, die ein Teil des Publikums und viele Kritiker an ihn hatten, sondern er machte dies, was ihm die anderen Beatles 1969 verwehrten: Einfachere Songs aufzunehmen mit dem Fokus, wieder auf Tour zu gehen. Wofür er zunächst eine neue Band gründen musste.

die Gründung der Wings
Am 3. August 1971, also am Tag nach den Aufnahmen, gab Paul McCartney die Gründung seiner neuen Band bekannt. Sie hatte aber noch keinen Namen. Mitglieder waren neben ihm seine Frau Linda, die Paul darum gebeten hatte. Er hatte ihr über den Sommer 1971 etwas Klavierunterricht erteilt. Im Buch der Deluxe-Version von «RAM» erzählt Paul: «Es war völlig natürlich, dass wir alles gemeinsam machen wollten. Ich erinnere mich, wie ich eines Abends zu Linda sagte: ‹Ich werde eine Band gründen. Möchtest Du darin mitspielen?› Es war etwas völlig natürliches, organisches, das geschah. Mit etwas Beklemmung sagte sie so etwas wie ‹äh, ja.› Mehr war da nicht gewesen.» Und Paul ergänzt: «Wir wussten, dass wir die Steine und Pfeile unserer ‹Freunde› hören, die fragen, ‹was macht sie in der Band?»

wings wildlife advertising mccartney


Inserat aus der Musikpresse für Wild Life von 1971. Es gibt noch eine Abwandlung mit schwarzer Schrift auf weissem Hintergrund.



Als Gitarrist hätte Paul gerne Hugh McCracken gehabt, der auf «RAM» gespielt hatte, doch McCracken sah sich als Studiomusiker und wollte sich in keiner Band verpflichten. Als letztes stiess Denny Laine hinzu. Paul hatte ihn 1965 während einer Beatles-Tour getroffen. Laine spielte von 1964-1966 bei den Moody Blues. Paul, Linda und Denny Laine bildeten den Kern der Wings, Laine verliess 1980 während den Aufnahmen zu «Tug Of War» und «Pipes Of Peace», in deren Frühphase er noch mitspielte, die Band. Denny Seiwell, der Schlagzeuger auf «RAM», folgte Pauls Ruf und zog mit seiner Frau Monica von New York auf eine Farm in McCartneys Nachbarschaft, wo er mit Denny Laine lebte.

Noch war die Band ohne Namen. Vorschläge wie The Dazzlers oder Turpentine kursierten. Linda McCartney war während den Aufnahmen hochschwanger, am 13. September 1971 gebar sie Tochter Stella. Während der Geburt kam es zu Komplikationen und es wurde ein Kaiserschnitt nötig. Als Paul bei Linda übernachtete, träumte er von Engeln, so kam er auf den Namen Wings.

schnell und schmutzig eingespielt
Nach dem Abmischen von «RAM» flog die Familie McCartney zurück nach Grossbritannien und verbrachte den Sommer auf ihrer Farm Lower Ranachan in Schottland. Dort schrieben Paul und Linda neue Songs. Die Band folgte im Juli und probte dort ein par Tage in Pauls so genannten Rude Studio, ein Studio, das er im ehemaligen Stall eingerichtet hat. Nach drei Aufnahmetagen dislozierte man nach London.

«Mumbo», ein solider Rocksong, entstand aus einer Jamsession, nach rund fünf Minuten rief Paul zwei Mal «Take it, Tony», dies war das Signal für Tony Clarke, mit der Aufnahme zu beginnen. Der zweite Ruf ist der Albumopener. Die Lyrics, vom Rolling Stone als die grösste Schwäche kritisiert, hat Paul in Shouter-Manier gesungen und dabei frei improvisiert. Die abwechselnden Gitarrensoli deuten ein erstes Mal an, dass die frühen Wings eine Bluesrock Band waren. «Mumbo» kommt am Ende des Albums nochmals als Reprise. Diese war auf dem Tracklisting des Originalalbums nicht aufgeführt.

Als nächstes folgt das bluesige «Bip Bop», inspiriert dazu wurde Paul durch das Gebrabbel seiner Tochter Mary. Der Text wirkt erneut improvisiert. «Bip Bop» zog am meisten Kritik auf sich, erhielt in Frankreich aber Airplay. Paul mochte später den Song nicht speziell. Während den Aufnahmen zu «Rough Ride» 1988, während den Sessions zu «Flowers In The Dirt», erwähnte Paul gegenüber Trevor Horn, dass er «Bip Bop» hasse, worauf ihm dieser antwortete, dass es sein Lieblingssong wäre. Seither hat Paul seine Meinung darüber geändert, 2016 erschien «Bip Bop» als einziger Song von «Wild Life» auf der Zusammenstellung «Pure». Auf der zweiten Seite von «Wild Life» gibt es ebenfalls eine kurze akustische Reprise von «Bip Bop», die ebenfalls auf dem Originalalbum nicht ausgewiesen wurde.

1971 mccartney wings wildlife epihone
Nach Jahren der Avantgarde und in Swinging London, zog sich Paul McCartney aufs Land zurück und schrieb auch darüber, was einen Teil der Kritiker und Fans verstörte. –
Foto: paulmccartney.com


Im Sommer 1971 stricht das Paul das Dach seiner Farm neu, während Linda aus Jamaika mitgebrachte Reggae-Platten laufen liess, was ihn zu einem Reggae Stück inspirierte. Als Text darüber wählte Paul «Love Is Strange» von Bo Diddley von 1956 und als erstes von Mickey Baker und Ethel Smith veröffentlicht wurde. «Love Is Strange» hätte die erste Wings-Single werden sollen. Es wird kolportiert, dass sie aufgrund der schleppenden Verkäufe des Albums kurz vor ihrer Veröffentlichung zurückgezogen worden sei. Was jedoch falsch ist, die Single wurde zugunsten von «Give Ireland Back To The Irish» zurückgezogen.

1971 wurde Reggae vom weissen Mainstream Publikum noch kaum gehört, erst drei Jahre später, als Eric Clapton Bob Marleys «I Shot The Sherriff» coverte und einen Hit damit landete, wurde Reggae von einer grossen Masse entdeckt. Viele englische Rockmusiker, neben Paul McCartney und Eric Clapton auch John Lennon oder Elton John waren schon früh vom Reggae begeistert. «Love Is Strange» gilt aber als eine der ersten, wenn nicht als erste Reggae-Aufnahme einer Band mit weissen Musikern.

Der Titelsong «Wild Life» ist ein Blues über den Umgang der Menschheit mit der Natur und den Tieren. Paul und Linda liebten die Natur. Die erste Strophe: «While take a walk through an African park one day, I saw a sign say, ‹The animals have the right of way›» ist eine Erinnerung Pauls an einen Ausflug in den Ambosali Nationalpark in Afrika 1966, wo er ein solches Schild gesehen hatte, worauf stand, dass Elefanten das Wegrecht hätten. Paul spielte auf «Wild Life» die Leadgitarre.

«Some People Never Know» schrieb Paul im Sommer 1969. Es ist ein früher Song über seine Ehe mit Linda. McCartney, einst im Londoner Nachtleben unterwegs, schreibt. «Like a fool I’m faraway, ev’ry night I hope and pray I’ll be coming home to stay and it's so», Rock’n’Roll-Lifestyle klingt anders. Der Song ist «Some People Never Know», ein weiterer Beleg, wie die Stimmen von Paul und Linda harmonieren. Beim Abmischen wurde Denny Seiwells Trompetensolo mit einem Gitarrensolo ersetzt. Der in der Deluxe Edition der Archive Collection erschiene «Rough Mix» enthält das ursprüngliche Trompetensolo.

«I Am Your Singer» ist ein Duett von Paul und Linda. Paul evoziert darin das Bild, dass er ihre Liebe brauche wie ein Song seine Melodie. «I Am Your Singer» war als B-Seite der Single «Love Is Strange» geplant und wurde durch die Instrumentalversion von «Give Ireland Back To The Irish» ersetzt.

1971 paul mccartney wings rude studio
Blick ins Rude Studio auf Pauls schottischer Farm während den ersten Proben der Wings. Linda hochschwanger mit Stella. Das Mädchen mit Gitarre ist Heather, Lindas Tochter aus erster Ehe, die Paul adoptiert hat.


«Tomorrow» ist wohl der beste Song auf dem Album, eine frühe Version wurde noch während den «RAM»-Sessions eingespielt und von den Wings neu aufgenommen. Deshalb gibt es auch eine Instrumentalversion davon. Weil «Tomorrow» aber nicht auf «RAM» verwendet wurde, fehlt diese auf «Thrillington». Die endgültige Version von «Tomorrow» ist ein uptempo Klaviersong, worin Paul den Zwiespalt einer jungen Liebe besingt: «Baby please don’t let me down tomorrow» bzw. «Holding hands we both abandon sorrow». Lindas Vater Lee Eastman mochte den Song sehr, fand aber, dass ihn Paul nochmals neu in einer langsameren Version hätte einspielen sollen. «Tomorrow» wurde 2001 auf der Zusammenstellung «Wingspan» veröffentlicht.

«Dear Friend» ist eine weitere Klavierballade und bildet das Finale des Albums. Das Orchesterarrangement stammt von Richard Hewson. Paul McCartney arbeitete 1968 mit ihm zusammen, als er Mary Hopinks Album «Postcard» produziert hatte. Hewsons Arrangement umfasst acht Violinen, vier Cellos, zwei Posaunen und Waldhörner, vier Flöten sowie je eine Oboe, ein Tenorsax und eine Harfe. Letzteres überraschte Hewson, denn Paul McCartney verabscheut eigentlich Harfe. «Dear Friend» wird allgemein nach den öffentlichen Streitereien von Paul McCartney und John Lennon als Friedensangebot gewertet. Wobei Paul einmal relativierte: «Es ist bloss ein Song über einen guten Freund, was auch dies für einen immer bedeutet.»

Entspannung im Beatles-Lager
Nach der Trennung der Beatles begannen sie 1971 ihre Streitigkeiten in der Öffentlichkeit auszutragen. John Lennon wertete das Cover von «RAM», auf dem Paul einen Widder an den Hörnern packt, als Angriff auf ihm. Auf «Imagine» legte er eine Postkarte bei, auf der er ein Schwein an den Ohren hielt. Ebenso interpretierten John Lennon und Yoko Ono einige Songpassagen von «3 Legs» und «Too Many People» auf sich gemünzt, was Paul bei letzterem unumwunden zugibt: Die Zeile «Too many people preaching practices / don’t let them tell you what you want to» be» bezog er auf John und warf ihm vor, den Leuten vorzuschreiben, wie sie leben sollten, doch selber nicht nach seinen Ansprüchen zu leben. Lennon veröffentlichte in der Folge auf «Imagine» den Song «How Do You Sleep», worin er McCartneys Musik als Muzak, Fahrstuhlmusik, betitelt. Besonders bitter, George Harrison spielte die Slide Gitarre.


paul mccartney 1971 wings wild life cartoon

Die Karikatur auf dem Backcover von «Wild Life» zeigt Linda und Paul McCartney, Denny Laine und Denny Seiwell. Gezeichnet hat sie Gordon House.


«Dear Friend» gilt als letzte, versöhnliche Episode der öffentlichen Streitigkeiten der beiden Alphatiere der Beatles und als Antwort auf das gehässige «How Do You Sleep?» In seinem Essay im Begleitbuch der Deluxe Edition von «Wild Life» schreibt Rolling Stone Chefredaktor David Fricke aber, dass Paul «Dear Friend» bereits früher geschrieben hatte. Die ersten Aufnahmen machte Paul in seiner Farm in Schottland, das genaue Datum ist nicht überliefert, vermutet wird März 1971. Anfang 1971 veröffentlichte das Rolling Stone über zwei Ausgaben ein Interview mit John Lennon unter dem Titel «Lennon Remembers», worin dieser erstmals öffentlich mit Paul abgerechnet hatte.

Wie sich Paul neu erfunden hat
Es war wahrlich nicht einfach für die einzelnen Mitglieder der Beatles, alleine durchzustarten. Zu hoch waren die Erwartungen an sie, am besten hätten sie wohl so weitergemacht, wie sie das auf ihren späten Alben getan hatten. Doch weder John Lennon noch Paul McCartney kümmerten sich gross um die Erwartungen der Kritiker und Fans, sondern zogen ihr Ding durch. Die Beatles hatten sie ziemlich satt und so klangen ihre Alben anders.

Bei Paul enthielt sein Debutalbum «McCartney» einfache Songs, die er selber, zumeist zuhause, einspielt hatte. Einzig «Maybe I’m Amazed» konnte mit den hohen Standards, die er mit den Beatles selber gesetzt hatte, mithalten. Ganz anders die Single «Another Day» und das zweite Album «RAM», eingespielt in professionellen Studios mit Hugh McCracken und Denny Seiwell, nutzte Paul die ganze Bandbreite des Studios, selbst ein Orchester wurde engagiert. Dass er es damals den Kritikern nicht recht machen konnte, zeigt der Vorwurf, dass «RAM» überproduziert sei.

McCartney wollte die Wings nie als Beatles 2.0 verstanden wissen. Vielmehr wollte er nochmals von vorne anfangen und schauen, wie weit er kommen würde. Dieses Konzept zog er die nächsten zehn Jahre durch. So war entsprach das Vorgehen von «Wild Life» jenem von «McCartney», mit dem Unterschied, dass das Projekt nicht geheim gehalten werden musste. 2018 ist klar, dass McCartney immer Musik gemacht hatte, mal näher, mal entfernter von derjenigen der Beatles, mal einfachere Alben, mal aufwändig produzierte. Weshalb aber erhielt zu Beginn seiner Solokarriere derart schlechte Kritiken?

paul mccartney 1971 wings wildlife
Wings MK 1, Paul und Linda McCartney, Denny Laine und Denny Seiwell..


Zunächst wurde ihm die Schuld am Ende der Beatles gegeben, weil er als erster öffentlich die Band verlassen hatte. Dann waren es die hohen Massstäbe, welche die Beatles auf ihren letzten Alben gesetzt hatten. Für Einfaches von ihm waren die Kritiker noch nicht bereit. Gewiss, manche Songs in der frühen Solophase McCartneys waren gar etwas simpel oder zu skizzenhaft ausgefallen.

Eine glaubwürdige These vertritt John Blaney in seiner Reihe «The Songs He Was Singing». McCartney, der Teil von Swinging London gewesen war, in der hippen Stadt gelebt hatte, hat nun eine Familie gegründet und ist aufs Land gezogen. Während die Rock- und Popmusik Anfang der 70er-Jahre urban war, sang McCartney über das Familien- und Landleben. Dem Publikum war das weitgehend egal, das freute sich über jede Veröffentlichung. Die Kritiker aber hatten Mühe damit. Heutzutage spricht McCartney offen darüber, dass er durch die harschen und ungerechtfertigten Kritiken Anfang der 70er-Jahre nicht verletzt, aber insofern irritiert wurde, weil er sie zu glauben begann, insbesondere bei «RAM» und «Wild Life».

1994 erzählte McCartney im Fun-Club-Magazin «Club Sandwich», dass er «Wild Life» bis auf einen oder zwei Songs nicht mochte, bis er eines Tages mit Linda den Sunset Strip in L.A. entlangfuhr. Ein Camper schloss zu ihm auf, ein Althippie winkte Paul und hielt «Wild Life» aus dem Fenster und rief: ‹Hey Paul, grossartiges Album, Mann!». Linda und er hätten sich bloss angeschaut und gesagt: ‹Genau, das ist es! Es ist ein grossartiges Album, zweifellos. Es genügt, dass es dieser Typ sagt.» Und so begann McCartney, das Album in neuem Licht zu betrachten.

die Archive Collection Wiederveröffentlichung
«Wild Life» ist die elfte Wiederveröffentlichung in der 2010 gestarteten «Archive Collection». Die Songs wurden nicht komplett neu abgemischt wie bei «Tug Of War» oder den neuen Stereoversionen von Giles Martin von «Sgt. Pepper» und dem «White Album», sondern digital remastered. Wobei digital nicht für den ganzen Prozess steht. Alex Wharton und Steve Orchad von den Abbey Road Studios, die das Remastering vornahmen, schrieben im Begleitbuch, dass die Technik seit 1971 Fortschritte gemacht hat, vor allem in der Rauschunterdrückung und der Verhinderung von Pegelspitzen. Wharton und Orchad versuchten, die Mastertapes von 1971 noch genauer wiederzugeben. So mischten sie den Klang in High Definition neu ab reduzierten ihn über einen analogen Equalizer. So wurde der warme Klang der Originalveröffentlichung auf Vinyl beibehalten.

1971 paul mccartney wings wild life alternate cover draft
Nicht verwendeter Entwurf für das Cover von «Wild Life», abgebildet in der Deluxe-Edition der Archive Collection.


Wie bei den früheren Veröffentlichungen gibt es verschiedene Formate, neben dem Download eine Special Edition mit zwei CDs bzw. LPs und die Deluxe Edition mit 120 seitigem Buch, 3 CDs und 1 DVD sowie weiteren Goodies wie Fotos und ein Reprint von Linda McCartneys persönlichen Notizbuch. Disc 1 ist überall das Originalalbum. Beim Vinyl und der Special Edition enthält die zweite CDs die Bonustracks, in der Deluxe Edition ist es die dritte. Die Deluxe Edition enthält noch die Rough Mixes und eine Bonus DVD mit Filmaufnahmen von Paul und Linda in Schottland und Proben der Wings zu «Give Ireland Back To The Irish» und zur Universitätstour im Februar 1972. Die Download Karte für den HiRes-Download ist bis Ende 2020 gültig.

Zu den Bonus Tracks gehören die beiden Versionen von «Give Ireland Back To Irish», der ersten Single der Wings, zu deren Gunsten «Love Is Strange» zurückgezogen wurde, sowie der Single Edit von «Love is Strange». «Great Cock And Seagull Race» erschien bereits auf der Bonus CD von «RAM», hier handelt es sich um einen bearbeiteten «Rough Mix» und stammt vom unveröffentlichten Soundtrack zum ebenfalls unveröffentlichten Film «Rupert The Bear», zu dem die Wings im Herbst 1971 Songs einspielten, wie beispielsweise «When The Wind Is Blowing». Dass Paul McCartney gerne dann und wann unveröffentlichte Songs spielt, ist ein offenes Geheimnis, so spielte er 2014 bei gemeinsamen Aufnahmen mit Kanye West, und es wurde zum Instrumental Hook von «All Day», der dritten Single, die West 2015 zusammen mit Paul McCartney veröffentlichte.

1972 paul mccartney wings universtity tour rehearsals
Wings MK 2 kurz vor dem Start. Proben im Londoner ICA Theater im Februar 1972 für die Universitätstour. Henry McCullough (angeschnitten), Denny Laine, Denny Seiwell, Paul und Linda McCartney.


Zu den sogenannten Home Recordings gehören «Bip Bop», «Hey Diddle», «She’s Got It Good» und «I Am Your Singer», die Paul und Linda McCartney im Garten ihrer Farm sitzend aufgenommen haben, während die kleine Mary und Heather miteinander und der Hündin Martha spielen. Eine erste, geschnittene Version von «Bip Bop/Hey Diddle» war 2001 in der Dokumentation «Wingspan» verwendet worden. Neben einer Heimaufnahme von «Good Rockin’ Tonight», das Paul während seines Unplugged Konzertes 1991 und während der «New World Tour» 1993 spielte und auf «Paul Is Live» veröffentlichte, finden sich auf der Bonus CD noch die beiden frühen undatierten Heimaufnahmen von «Dear Friend» und drei ebenfalls undatierte Outtakes. Ebenfalls ist das Aufnahmedatum von «I Indeed Do» heute unbekannt.

Rezeption und Statistik
Eine der unverdient harschen Kritiken in der englischen Presse lautete, dass der einzig brauchbare Song auf dem Album «Love Is Strange», der einzige Song, der nicht von McCartney stammte, sei. John Mendelsohn vom Rolling Stone ging in seiner Besprechung besser an das Album heran, als dies John Landau bei «RAM» ein halbes Jahr zuvor getan hatte. Er begann jedoch mit dem Narrativ, dass McCartney ohne John Lennon und George Martin nicht zwischen dem Trivialen und Gewichtigen unterscheiden könne. Er bezeichnete das Album als nett ausgeführte Popmusik. Steve Thomas Erlewine von allmusic.com findet «Wild Life» für Paul McCartney als einer der wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts zu leichtgewichtig, so als ob er hätte wie auf dem Cover abgebildet eine pastorale Idylle evozieren wollen. Und genau hier beginnt ihn das Album aber zu faszinieren. Ehrlich mit dieser Unentschlossenheit umgehend gab er 2,5 von 5 möglichen Sternen. Der ehemalige Jazzpianist, Musikjournalist und spätere Herausgeber des Billboard Magazines bezeichnete in seiner Track by Track Besprechung «Wild Life» als aggressive Einfachheit und würdigte es als bestes Album McCartneys seit den Beatles.

Und was meinte McCartneys härtester Kritiker? John Lennon sagte im Februar 1972 in der Mike Douglas Show, dass er «Wild Life» möge und und Paul auf dem richten Weg wäre.

«Wild Life» gehört zu den wenigen Alben in McCartneys Katalog, bei denen die Verkäufe enttäuschten. In England erreichte es bloss Platz 11 und in den US-Billboard Charts klassierte es sich auf Rang 10. Topten Resultate vermeldeten Spanien (Rang 2), Australien und Schweden (Platz 3), Norwegen (Rang 4), Kanada (Rang 5) und Holland (Platz 6). In Japan klassierte sich «Wild Life» auf Platz 15, in Italien auf Platz 25 und in der BRD auf Rang 47. In der Schweiz konnte sich das Album nicht klassieren. In den USA und Kanada wurde «Wild Life» mit Gold ausgezeichnet.


Links zu den mit dem Album korrelierenden Aufnahmen:
Give Ireland Back To The Irish (Single) 1972


wings wild life paul mccartney 1971
Wings MK 1 im Spätsommer 1971: Denny Laine (hinten), Paul und Linda McCartney, Denny Seiwell (vlnr.)



Tracklist
Originalalbum 1971:

Mumbo
Bip Bop
Love Is Strange
Wild Life

Some People Never Know
I Am Your Singer
Tomorrow
Dear Friend


CD 1987


Tracklist:
Mumbo
Bip Bop
Love Is Strange
Wild Life
Some People Never Know
I Am Your Singer
Bip Bop Link
Tomorrow
Dear Friend
Mumbo Link

Bonus Tracks:
Oh Woman, Oh Why
Little Woman Love
Mary Had A Little Lamb

1993-Remaster
Paul McCartney Collection:



Tracklist:
Mumbo
Bip Bop
Love Is Strange
Wild Life
Some People Never Know
I Am Your Singer
Bip Bop Link
Tomorrow
Dear Friend
Mumbo Link

Bonus Tracks:

Give Ireland Back To The Irish
Mary Had A Little Lamb
Little Woman Love
Mama’s Little Girl


Archive Collection Deluxe Version Box, 2018



Original Album
2018 Remaster

Mumbo
Bip Bop
Love Is Strange
Wild Life
Some People Never Know
I Am Your Singer
Bip Bop (Link)
Tomorrow
Dear Friend
Mumbo (Link)

CD 2: Rough Mixes
Mumbo
Bip Bop
Love Is Strange (Version) Wild Life
Some People Never Know
I Am Your Singer
Tomorrow
Dear Friend

CD 3: Bonus Tracks
Good Rockin’ Tonight (Home Recording)
Bip Bop (Home Recording) Hey Diddle (Home Recording)
She Got It Good (Home Recording)
I Am Your Singer (Home Recording)
Outtake I
Dear Friend (Home Recording I)
Dear Friend (Home Recording II)
Outtake II 10.
Indeed I Do
When The Wind Is Blowing The Great Cock And Seagull Race (Rough Mix)
Outtake III
Give Ireland Back To The Irish
Give Ireland Back To The Irish (Version)
Love Is Strange (Single Edit) African Yeah Yeah

DVD: Bonus Videos:
Scotland, 1971
The Ball
ICA Rehearsals
Give Ireland Back To The Irish (Rehearsal)





Chronologie:
« RAM
» Give Ireland Back To The Irish

© 2017/2018 VzfB | alle Rechte vorbehalten