Säntis mit Störchen

15. September 2025


Ferienbeginn, es ist Montag, ich bin nach der Rushhour in der S14 auf dem Arbeitsweg unterwegs und geniesse es, in Schwerzenbach weiterfahren zu können, plane, nach zwölf Jahren Pause wieder von Hinwil nach Rapperswil zu wandern. Blicke aus dem Fenster und erinnere mich an meine erste Fahrt zu dieser Wanderung im Oktober 2008 und an meine erste Fahrt in der S-Bahn zur Arbeit nach Dübendorf 2009. Zwischen dem Messeparkhaus und der Aubrugg war damals noch Brachland, die Stadt sprach vom Entwicklungsgebiet Leutschenbach. Realisiere, dass wenn an meinem damaligen ersten Arbeitstag das Schulhaus Leutschenbach noch eine Woche auf seine Eröffnung und Inbetriebnahme warten musste, ich ein Jahr zuvor die Baustelle studiert von der Bahn aus gesehen haben musste.

Das ungebremste Wachstum der Nordstadt von Zürich in den letzten 15, 20 Jahren ist verrückt. Wie ein Film läuft nun vor dem inneren Auge die Dokumentation der Veränderung ab: den Bahnhof Wallisellen habe ich im Umbau erlebt, als die Glatttalbahn-Spur verlegt wurde. Zwischen Bahnhof und Glatt wuchs ein neues Quartier. Vor wenigen Wochen sind auf dem Richti Areal die Bagger aufgefahren. Hochhäuser in Dübendorf, das sich besser Dübenstadt nennen würde. Nach Dübendorf erstmals Überlandfahrt, die Drumlins vor Schwerzenbach, die letzten zwei Wochen über jeweils über ein halbes Dutzend Störche auf den Feldern. Heute sehe ich keine.

In Hinwil gehe ich los, an der Dürtnerstrasse bringen mich zwei Fenster zum Lachen: die Geranientöpfe auf dem Sims tragen Jeans und Turnschuhe. Werde ich den Weg wieder finden? Aus Hinwil hinaus ja, nach Gang auf der sommerlichen Langlaufloipe zum Schweipelried biege ich zunächst falsch ab, wie wohl auch beim ersten Mal vor 17 Jahren. Egal, das Wetter ist schön und ich habe Zeit. Das Licht ist stark herbstlich und kontrastreich, die violetten Herbstzeitlosen haben Hochkonjunktur, die Fernsicht ist gut, fast meint man von blossem Auge die einzelnen Felsen in den Alpen erkennen zu können.

Mürtschenstock von Hinwil aus


Beim Gang über das Schweipelried passiert das, was man niemals in einem Moor erleben möchte, dass der Boden unter einem nachgibt und man einsinkt, wenn auch nur leicht. Angst habe ich keine, ging diese Strecke schon früher, es ist ein Wanderweg und ich folge relativ frischen Traktorspuren. Ich geniesse die Fernsicht auf die nahen Glarner Alpen, geradeaus schicken die Mythen einen Gruss aus Schwyz, leicht rechts grüsst die Rigi und in der Ferne kann ich noch den Pilatus erkennen.

Beim Überqueren der Oberlandautobahn nach Bubikon werden Erinnerungen an die Fahrt nach Tschechien vor acht Jahren geweckt, es war Ende September, Bodennebel waberten über den Boden, über dem Alpstein stieg die Morgensonne auf, ihre Strahlen reflektierten auf den Nebeln, unser Reisecar tauchte auf der Strecke nach dem Betzholzkreisel in ein rotgoldenes Strahlenmeer ein. Die Erinnerungen an andere Herbstferien entlocken mir ein seliges Lächeln.

Wegen Strassenbauarbeiten in Bubikon muss ich einen Umweg gehen. Da das Restaurant Bahnhöfli, wo ich früher Rast machte, geschlossen hat, bzw. nun thailändisch ist, und es Montag ist, und alle anderen Restaurants geschlossen sind, kaufe ich im Dorfladen ein Picknick. Also gehe ich noch ein Stück weiter. Nach unterqueren einer Eisenbahnlinie bietet sich zur linken erneut die prächtige Fernsicht, der Säntis ragt kantig wie immer in den Himmel, das Feld neben mir wird von einem Bauern im Traktor abgeerntet. Um ihn herum ein halbes Dutzend Störche.

 Säntis Störche Bubikon


Auch beim Egelsee finde keine Ruhe, an einem der letzten Spätsommertage ist das Freibad besetzt, und ausserhalb sind im Ried Unterhaltsarbeiten mit schweren Maschinen zu gang. Gehe bis Zur Orts- und Kantonsgrenze weiter. Unter einem Baum hat die Gemeinde Bubikon eine Bank montiert, es ist ein wunderbarer Aussichtspunkt. Während meines Picknicks zieht jedoch der Säntis einen Wolkenvorhang.

Zu meinen Füssen geht es einge Meter steil hinab, in den Kanton St. Gallen, am Ende, bei der Herschärenstrasse, steht ein Wegweiser, der Punkt heisst Rüssel. Gehe das letzte Stück nach Jona und folge und gehe via Frohberg und den Panoramaweg an den edlen Villen vorbei, weiter nach Lenggis und über die Meienbergstrasse am Park des Schloss Meienbergs vorbei. Erinnere mich an die Fotoaufnahmen, die Vater und ich hier für die Ortsgeschichte Jona machten. Ein finaler Abstieg zur Villa Grünfels, wo Vater und ich auch fotografierten, und zum Bahnhof Jona beendet die Wanderung. Fahre mit der S-Bahn nach Rapperswil, wo ich bei einem Altstadtbummel entspanne.

Rapperswil Pfäffikon Etzel September 2025





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