Wasserfall 2


Rauschen, so lieblich in der Ferne.
Rauschen, so aufbrausend in der Nähe.
Perlen, der Gischt kühlt die Stirn.

Mit all seinen Urgewalten
bricht er das zuvor sanft fliessende Wasser
in abertausend Tropfen.
Sein Sog zieht alles in den sich kreisenden Schlund hinab,
um es neu zusammenzumischen,
um es aus dem Chaos von Luft, Wasser und Delirium
neu zusammenzusetzen.
Es ist ein göttlicher Vorgang.

Wochen, schon so lange her seit ich dich das letzte Mal sah.
Sonne, sie erinnert mich an dein strahlendes Lachen.
Wind, er kühlt die Glut des Verlangens.

Ich bezeuge meine Liebe in den Wasserfall.
Er spaltet sie bis auf ihren wahren Kern
und fügt sie flussabwärts wieder zusammen.
An jeder Stromschnelle ändert er sie wieder ab,
bis sie zur Perfektion vollendet sein wird.
Er trägt sie durch Länder bis zu dir.
Im Fluss badende Leute nehmen sie auf.
Du begegnest ihnen und weisst nicht, wie dir geschieht.
Aus deinem Hahn fliesst sein Wasser
worin du dich badest und womit du kochst.
Im Wasserkraftwerk treibt der Fluss Generatoren an,
deren Strom durch die Leitungen deiner Stadt fliesst.

Abend, meine Liebe leuchtet dir ewig.
Essenszeit, meine Liebe geht durch deinen Magen.
Wind, das Rauschen in den Blättern trägt die Wortfetzen zu dir.

Perlen, der Gischt kühlt die Stirn.
Rauschen, so aufbrausend in der Nähe.
Rauschen, so lieblich in der Ferne.

 

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Wasserfall 2 – 1999  

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